12.07.2021
Verletzter Jungstorch AT386
Der hinkende Jungstorch AT386 konnte zwischenzeitlich seine Prellung, die er sich vermutlich bei einer „Bruchlandung“ zugezogen hatte, ausheilen und kann jetzt wieder normal gehen.
Abklärung möglicher Operationen der verletzten Störchin Anna
Vor einem Fangversuch muss geklärt werden, wie und wo unsere Brutstörchin Anna tierärztlich behandelt werden kann. Wir haben daher zahlreiche, auch von unseren Webseitenbesuchern empfohlene, Tierärzte und Vogelkliniken angerufen, angeschrieben und ihnen Bilder geschickt, um mögliche Behandlungsmethoden für Anna abzuklären. Bisher haben uns die Tierärzte keine Hoffnung gemacht. Es sei offensichtlich zu viel Gewebe bei dieser durch Erdschluss verursachten Verletzung irreparabel zerstört worden. Eine kurative Behandlung sei daher nicht mehr möglich.
Unsere Hoffnung, dass zwischenzeitlich im Bereich der Tiermedizin neuere Behandlungsmethoden entwickelt wurden, die man bei Anna hätte anwenden können, haben sich leider nicht erfüllt. Aber es war ein Versuch wert dies aktuell abzuklären. Nur ein Knochenbruch, der unmittelbar nach dem Bruch behandelt wird, hat Chancen auf Wiederherstellung der Bewegungsmotorik. Ein früher Fang war, ohne die Jungstörche zu gefährden, leider nicht möglich. Erschwerend kamen bei Anna noch die starken Gewebeverletzungen durch den Erdschluss hinzu.
Unterbringung in einer Pflegestation
Rückmeldungen von Pflegestationen haben ergeben, dass sie keine Prothesenstörche mehr aufnehmen, da diese schon nach einem Jahr schwere Erkrankungen der Fußzehenballen zeigen und dann eingeschläfert werden müssten. Zudem hätten sich die Storchenpopulation nicht nur in Deutschland erfreulich entwickelt, was auch zu mehr Storchenunfällen und damit auch zu mehr pflegebedürftigen Störchen führe. Mitunter würden auch die Pflegeplätze knapp. Auch von dieser Seite wurde uns empfohlen das Leiden von Anna zu beenden.
Wo ist die verletzte Störchin Anna
Bis zum 06.07.2021 konnten wir die verletzte Brutstörchin zusammen mit anderen Störchen in den nahegelegenen Aischwiesen und an ihren Übernachtungsplätzen beobachten. Anna hat zwar den einen oder anderen Futterbrocken aufgenommen, jedoch ihre Fluchtdistanz von ca. 50 m beibehalten, was einen Fang in den Wiesen unmöglich machte. Die angelegte Bodenfütterung wurde weder von Anna noch von anderen Störchen angenommen, obwohl diese von Annas Horst her einsehbar waren und ihr auch von den Zufütterungen in winterlichen Notzeiten noch bekannt sein sollten.
Nachdem wir Anna in der Nacht zum 06.07.2021 nicht an ihren Schlafplätzen finden konnten, haben wir am folgenden Tag die Aischwiesen und speziell ihre dort bekannten Aufenthaltsorte der letzten Wochen systematisch abgesucht, sie jedoch nicht finden können.
Einer unserer Webseitenbesuch, ein Drohnenpilot aus Neumarkt hat von den Problemen um Anna erfahren und Unterstützung mit seiner professionellen Industrie-Drohne bei der Suche und dem Einfangen von Anna angeboten. Dieses Angebot haben wir gerne dankend angenommen und schon am 07.07.2021 mit dem Dohneneinsatz begonnen. Trotz der sehr guten Bildqualität und dem Einsatz einer Wärmebildkamera konnten wir Anna nicht finden. Auch auf der nahegelegenen Kompostanlage haben wir gesucht und 13 Störche sehen können. Anna war jedoch nicht dabei. Im letzten Winter hatte Anna regelmäßig die Kompostanlage aufgesucht, um fressbares im wochentäglich angelieferten Biomüll zu finden. Sie kennt daher auch diese Futterquelle.
Da auch diese Suche erfolglos war, hatten wir mit Fernglas und Fernrohr weiter nach Anna gesucht. Die Drohnensuche hatten wir am 10.07.2021, am Tag des Jahrhunderthochwassers in Höchstadt, fortgesetzt. Schon nach den ersten Flügen mussten wir feststellen, dass es bei diesem Hochwasser unmöglich war Anna zu finden.
Wir vermuten, dass Anna noch am 06.07.2021 einem Fuchs oder einem anderen großen Beutegreifer zum Opfer gefallen ist. Verhaltensauffällige Beutetiere werden von Beutegreifer schnell bemerkt und sind für diese meist einfache Beute. Daraufhin deutet auch die Tatsache, dass wir Anna seit diesem Tag nicht mehr an ihren gewohnten Schlafplätzen finden konnten. Da wir keine Chance sehen Anna noch lebend zu finden, werden wir die weitere sehr zeitaufwändige Suche einstellen.
Jahrhunderthochwasser an der Aisch
Die massiven Regenfälle mit starkem Dauerregen in der zweiten Juliwoche 2021 haben am 10.07.2021 zu einem Jahrhunderthochwasser in Höchstadt an der Aisch geführt. Die Mitarbeiter der kommunalen Bauhöfe, die Feuerwehren, die Polizei und das Technisches Hilfswerk waren im Dauereinsatz, um Schlimmeres zu verhindern, den Verkehr umzuleiten und Keller auszupumpen. In einigen Landkreisen an der Aisch wurde der Notstand ausgerufen.
Viele Tiere, die nicht oder nicht schnellgenug vor dem Hochwasser flüchten konnten, sind ertrunken. Des einen Leid des anderen Freud, heißt es in einem Sprichwort. So können sich auch die Störche an der Aisch über einen hochwasserbedingt reichlich gedeckten Tisch freuen, der ihnen in den nächsten zwei Wochen üppige Mahlzeiten bieten wird.
L.G. cepetta
Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben,
sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.