23.06.2021
Jungfernflug
Am 22.06.2021 hat der forscheste unserer 4 Jungstörche vom Alten Rathaus in Höchstadt kurz nach 9:00 Uhr seinen ersten Flug über die Dächer der Höchstadter Altstadt im Alter von 9 ½ Wochen gewagt und ist sicher wieder auf seinem Geburtshorst gelandet. Seine Geschwister werden es ihm in den nächsten Tagen, inspiriert von diesem Erlebnis, gleichtun. Der „Ängstlichste“ braucht erfahrungsgemäß etwas länger, bis er sich traut.
Entwicklung der Jungstörche
Die vier Jungstörche haben sich dank der regelmäßigen Zufütterungen, die wir seit dem Bruch des Beines unserer Brutstörchin Anna bis zur 8. Lebenswoche täglich, dann bis zur 9. Lebenswoche jeden zweiten Tag und anschließend bis zur 10.Lebenswoche jeden 3. Tag direkt am Storchenhorst vorgenommen hatten, prächtig entwickelt. Die Energiereserven sind nun so weit aufgebaut, dass sie den Vogelzug oder eine mögliche Überwinterung in ihrer Brutheimat überleben können. Wir werden daher die Zufütterung der Jungstörche am Horst nach der 10. Lebenswoche der Jungstörche einstellen.
Wie geht es Anna
Mit einem gebrochenen Bein war Anna nicht mehr in der Lage ihren Anteil an der Versorgung der 4 Jungstörche zu leisten. Sie bewältigt ihren Alltag auf einem Bein zwischenzeitlich recht gut. Die Punktlandungen auf benachbarten Hausdächern oder der Sirene nebenan gelingen sehr sicher. An diesen Orten übernachtet Anna auch überwiegend. Beim letzten heftigen Gewitter mit Starkregen in der Nacht vom 20.06.2021 war Anna während des Unwetters zusammen mit ihrer Familie auf dem Horst des Alten Rathauses.
Obwohl sie sich regelmäßig bei unseren Zufütterungen bedient hat, fliegt sie wie gewohnt zur Futtersuche auch in die gemähten Wiesen im nahen Horstumfeld. Durch ihren Beinbruch findet sie dort jedoch nur wenig stationäre Beute, die nicht flüchten kann. Zudem ist ihr Aktionsradius auf der Wiese durch die nahezu auf null reduzierte Lauf-Mobilität erheblich eingeschränkt, was zu einer sehr „schmalen Jagdbeute“ führt. Da eine ausreichende Eigenversorgung unter diesen Bedingungen nicht möglich ist, würde die Störchin ohne menschliche Unterstützung von ihren Energiereserven zehren bis diese erschöpft sind und sie letztlich verhungert.
Wie geht es weiter mit Anna
Wir haben bisher schon mehrere Tierärzte bezüglich der Behandlung von Anna angefragt, wobei alle der Meinung waren, dass das Bein von Anna übel aussehe und vermutlich nicht mehr zu retten sei. In der freien Natur hätte sie keine Überlebenschance und solle besser von ihren Schmerzen und Leiden erlöst werden.
So sei nun mal die Natur, hart und erbarmungslos, das wissen wir auch.
Anna hat jedoch noch eine Chance als sogenannter „Prothesenstorch“ in einem Storchenhof, Vogel- oder Wildpark ihre weiteren Jahre zu verbringen, wenn wir denn einen Platz für sie finden können.
Erst nachdem alle Jungstörche ausgeflogen sind und nicht mehr zum Horst zurückkehren, können wir einen Fangversuch wagen. Gelingt dieser, wird Anna tierärztlich versorgt. Sobald sich eine Unterbringung als Prothesenstorch ergeben hat, werden wir eine Beinprothese für Anna anfertigen lassen und sie zu ihrem neuen Zuhause bringen.
Wir werden weiter über die Ereignisse berichten.

L.G. cepetta
Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben,
sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.